In den letzten Monaten fanden die Begriffe Managed Care und integrierte
Versorgung vermehrt den Weg in die Medien. Für viele Versicherte
bleiben diese Schlagworte dennoch abstrakt. Wenn jedoch auf der Strasse
nach der Bedeutung des Hausarztmodells nachfragt wird, erhält man
prompt eine Antwort. Hausarztmodelle werden allgemein mit der Verpflichtung
zur Treue zum eigenen Hausarzt gleichgesetzt, an den man sich bei gesundheitlichen
Problemen zuerst wenden muss.
Dieses relativ einfache und verständliche System hat sich mittlerweile
in der Krankenversicherungslandschaft etabliert und schweizweit haben
sich mehrere hunderttausend Versicherte dafür entschieden. Doch diese
vermeintlich einfache Ausgangslage ist bei näherer Betrachtung wesentlich
komplexer. Hausarztmodell ist nämlich nicht gleich Hausarztmodell.
Vielen Versicherten ist der Unterschied zwischen einem Listenmodell und
dem echten, verbindlichen Hausarztmodell nicht bekannt. Das Grundprinzip
der Verpflichtung dem eigenen Hausarzt gegenüber ist bei beiden gegeben.
Doch wo liegen die Unterschiede?
Listenmodelle
Die Listenmodelle gehen von der Initiative der Krankenversicherer aus.
Die Kassen erstellen nach eigenem Gutdünken Ärztelisten, aus
denen die Versicherten ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin wählen
können. Je nach Krankenkasse sind diese Listen mehr oder weniger
offen. Das heisst, dass die Versicherer gezielt Grundversorgerinnen und
Grundversorger in dieses System ein- oder ausschliessen können. Bei
der Erstellung ist die Teilnahme und das Engagement des Arztes in einem
Ärztenetzwerk nicht Voraussetzung. Eine Information den Ärzten
gegenüber ist nicht üblich, sodass diese meist selbst nicht
wissen, auf welchen Listen sie aufgeführt sind. Zwischen den Krankenkassen
und der Ärzteschaft gibt es in diesem System keine vertragliche Vereinbarung.
Trotzdem erwarten die Versicherer von den Listenärzten eine zusätzliche
Betreuungsleistung, welche jedoch nicht honoriert wird. Es ist klar, dass
solche Systeme vor allem den Krankenkassen dienen. Im Kampf um so genannte
gute Risiken (junge und gesunde Versicherte) spielen diese Versicherungsprodukte
eine grosse Rolle. Mit zum Teil hohen Rabatten wird hier um die Gunst
dieser Versichertengruppe geworben. Qualitative Überlegungen treten
in den Hintergrund. Diese Modelle stehen daher in ausgeprägtem Gegensatz
zu den echten, verbindlichen Hausarztmodellen.
Echte Hausarztmodelle
Diese Hausarztmodelle zeichnen sich durch eine vertragliche Vereinbarung
zwischen Ärztenetzwerken und Krankenversicherern aus. In Ärztenetzwerken
schliessen sich Grundversorger und vereinzelt auch Spezialisten zusammen,
um gemeinsam eine hochqualifizierte medizinische Versorgung anzubieten.
Die einzelnen Ärztenetzwerke schliessen mit verschiedenen Krankenkassen
einen Vertrag ab. Somit entsteht ein Gebilde, welches alle beteiligten
Akteure einschliesst – den Patienten, den Arzt und die Versicherung.
Solche Ärztenetzwerke betreiben Managed Care oder passender: eine
integrierte Versorgung. Dabei liegt das Interesse in einer optimalen Patientenbetreuung.
Ärztenetzwerke der integrierten Versorgung bemühen sich, eine
gemeinsame Betreuungsstruktur anzubieten. Integriert bedeutet in diesem
Zusammenhang, dass der Hausarzt den Weg der Patienten im gesamten Gesundheitssystem
steuert. Diese Steuerung kann nach definierten Richtlinien oder Pfaden
erfolgen. Nicht selten schliesst ein solcher Pfad verschiedene medizinische
Leistungserbringer ein. Seien das Spezialisten, ein Spital oder paramedizinische
Fachleute wie z.B. Physiotherapeuten. Durch diese Zusammenarbeit kann
der betreuende Netzwerkarzt gezielt auf die Bedürfnisse seiner Patientinnen
und Patienten eingehen.
Ärztenetzwerke stehen für Qualität
Die ständig wachsende Vernetzung in Ärztenetzwerken fördert
die Qualität der medizinischen Versorgung. Durch die verbindliche
vernetzte Zusammenarbeit wird ein reger Informationsaustausch gepflegt.
Dies hilft Missverständnissen vorbeugen und vergrössert die
Behandlungssicherheit. Gleichzeitig verpflichten sich die teilnehmenden
Hausärztinnen und Hausärzte zur vermehrten Weiterbildung innerhalb
des Ärztenetzwerkes. Das medizinische Wissen wird in regelmässigen,
so genannten Qualitätszirkeln aktualisiert. Gemeinsam werden Fragen
aus der täglichen Praxis und andere, für die Patientenbetreuung
relevante Themen, erörtert. Die Patientinnen und Patienten profitieren
damit vom Erfahrungsschatz aller Beteiligten. Für bestimmte Bereiche
können medizinische Richtlinien oder Guidelines entstehen. Guidelines
ermöglichen es, aus verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten die
jeweils optimale Wahl zur treffen. Sie beruhen dabei auf nachweislich
anerkannten wissenschaftlichen Studien und internationalen Richtlinien
und werden auf die lokalen Bedürfnisse angepasst. Die Arbeit in den
Qualitätszirkeln bereichert aber auch den medizinischen Alltag der
einzelnen Ärztinnen und Ärzte. Dieses Zusammenarbeiten wirkt
motivierend und es stellt sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl ein.
Auch hiervon können die Patientinnen und Patienten direkt in der
Sprechstunde profitieren.
Nutzen für die Versicherten
Die Vorzüge des Hausarztmodells liegen auf der Hand. Im Zentrum der
Bemühungen stehen die Patienten. Die bedarfs- und ressourcenoptimierte
medizinische Versorgung, wie sie durch die verschiedenen Ärztenetzwerke
angeboten wird, kann ein wichtiges Mittel zur Eindämmung der stetig
steigenden Gesundheitskosten in der Schweiz sein. Dabei werden die im
Hausarztmodell eingesparten Mittel den Patienten in Form von Prämienrabatten
weitergegeben. Mittlerweile werden von den meisten Krankenkassen entsprechende
Versicherungsprodukte angeboten. Der unterjährige Wechsel in das
Hausarztmodell ist bei den meisten Versicherern auf den Beginn eines jeden
Monats möglich. Beim Wechsel sollte jedoch die Wahl auf ein verbindliches
Hausarztmodell fallen. Nur hier profitieren die Patientinnen und Patienten
von der qualitativ hochstehenden medizinischen Versorgung eines Ärztenetzwerkes.
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